Am Anfang war das Loch in der Wand

So lange ist es noch nicht her, dass Menschen begannen Häuser zu bauen. Vor ca. 12.000 Jahren kam ihnen die Idee, sich eine feste Behausung zu bauen.
Es ergab sich jedoch rasch das Problem: Was tun gegen den Rauch der Feuerstelle im Inneren und gegen den Lichtmangel? Abhilfe schuf ein Loch in der Wand.
Damit kamen jedoch neue Probleme auf die Siedler zu: Durch die Öffnung entwich die Wärme und Wind und Kälte drangen ins Innere.

Steinbehausung

Die ältesten Behausungen wurden noch ohne Fenster gebaut. Eingang und Luftabzug dienten als Lichtquelle und zum Luftaustausch.
In der Jungsteinzeit gab es dann bereits Häuser mit schlitzartigen Lichtöffnungen und erste ladenartige Fensterverschlüsse.

Die ersten Fensterverschlussmaterialien

In der Bronze- und Eisenzeit kamen bei den Fensteröffnungen abgekratzten und gestreckten Tierhäuten, die in Öl getaucht waren, zum Einsatz.
Diese rudimentären Fenster waren wasserdicht und ließen zumindest etwas Licht ins Innere dringen.
Die alten Ägypter verwendeten ebenfalls Tierhäute, aber auch Alabaster für den Verschluss von Fensteröffnungen.

Die alten Römer, das erste Glas und die Atrien

Die Römer der Antike experimentierten erstmalig mit Glas. Die ersten Fensterscheiben waren auf einer Seite rau und nicht durchsichtig. Im 2. Jahrhundert n. Chr. entstanden erstmals Glasscheiben, die auf beiden Seiten eine glatte Oberfläche aufwiesen.

Rekonstruktion eines römischen Fensters - Carnuntum

Rekonstruktion eines römischen Fensters – Carnuntum

Glasfenster konnten sich in der Antike nur Reiche leisten. Sie blieben auf die wichtigsten Gebäude der Siedlungen beschränkt.
Im Süden profitierten die Römer vom milden Klima. Anstelle von Fenstern entstanden in den römischen Villen Atrien. Das waren offene Innenhöfe, durch die Licht von oben kam und die umliegenden Räume erhellen konnte.

Im Norden hatte man es schwerer

Im Norden war das Klima hingegen wesentlich rauer und die Siedler mussten sich vor Zugluft, Schnee und Regen schützen.
Bis ins späte Mittelalter bestanden Fenster hier hauptsächlich aus den bereits erwähnten Tierhäuten und dem daraus hergestellten Pergament oder Leinenstoff.

Mittelalterliches Fenster mit Pergament bespannt

Gegen Kälte und Wind kamen hölzerne Fensterläden zum Einsatz.
Glas gab es zwar auch nördlich der Alpen seit dem 5. Jahrhundert. Allerdings blieb dieser luxuriöse Werkstoff dem Kirchenbau und einigen wenigen Privathäusern vorbehalten.
Neben der Herausforderung des Fensterverschlussmaterials mussten sich die Menschen beim Fensterbau auch mit der Statik auseinandersetzen.
Mauerwände erfordern einen geeigneten oberen Abschluss der Maueröffnung für die Fenster, die die statischen Druckkräfte um das Fenster herumleiten.

Glas und Fenster entwickelten sich weiter

Bis ins 20. Jahrhundert wurde Fensterglas auf zwei Arten hergestellt.

  • Zum einen blies man geschmolzenes Glas zu Zylindern, die aufgeschnitten und flach gewalzt wurden. Durch die produktionsbedingten Einschlüsse und Unebenheiten war das Glas jedoch nicht besonders hochwertig.
  • Die zweite Art Glasplatten herzustellen war das Gussverfahren. Dabei goss man geschmolzenes Glas auf spezielle Tische und walzte es flach. Danach wurden die Platten geschliffen und poliert. Durch den aufwendigen Prozess war dieses Glas teuer.

Fenster wurden meist aus mehreren Glasscheiben zusammengesetzt. Sprossenfenster, Bleiglasfenster oder Butzenglasfenster zeigen, wie das damals gemacht wurde.

  • Bei Sprossenfenstern befinden sich zwischen den einzelnen Scheiben schmale Stäbe aus Holz- oder Metall.
  • Bei Bleiglasfenster werden viele einzelne Glasstücke mit Bleiprofilen zusammengehalten.
  • Butzenscheiben sind runde, kleine Glasscheiben, die mit Bleistegen zusammengesetzt sind.

Butzenglasfenster

Einfachfenster, also Fenster mit einer Scheibe, waren bis 1820 am weitesten verbreitet.
Danach versuchte man mit Doppelfenstern den höheren Anforderungen an Wärmedämmung und Winddichtheit zu begegnen. Hierbei werden zwei Glasscheiben in einen Fensterflügel montiert. Der Zwischenraum soll den Wärmeverlust begrenzen.

Die moderne Glasproduktion und das Fenster von heute

Anfang des 20. Jahrhunderts gelang in der Flachglasproduktion ein großer Fortschritt. Émile Fourcault entwickelte ein Verfahren der Ziehglasherstellung.
Dabei wird ein Glasband aus der Schmelze gezogen und in einen Kühlkanal geleitet.
Der endgültige Durchbruch gelang 1959 mit der Entwicklung des Floatglasverfahrens. Die Glasschmelze wird auf ein Bad aus flüssigem Zinn gegossen und breitet sich darauf gleichmäßig aus. Das Glas wird von Rollen erfasst und auf die gewünschte Dicke gestreckt. In einem Kühlkanal wird es abgekühlt und am Ende geschnitten.
Dieses Verfahren erlaubt auch heute noch die Massenproduktion großer Glastafeln.

Zusätzlich gelangen bei der Weiterverarbeitung von Glasscheiben immer neue und bessere Varianten. Die Herstellung von Isolierglas ermöglicht inzwischen wieder das Einfachfenster bei gutem Wärmeschutz.
Für Isolierglas werden zwei Glasscheiben über einem Rahmen miteinander luftdicht verbunden. Da unbewegte Luft ein schlechter Wärmeleiter ist, isoliert der Luftraum zwischen den Scheiben besonders gut.

Isolierglas

Moderne Fenster sind ein Wunderwerk der Technik und decken eine Vielfalt an Möglichkeiten ab.
Perfektes, lichtdurchlässiges und Glas wird in Kombination mit speziellen Rahmen und dank der vielfältigen technischen Verarbeitungsmöglichkeiten zu Fenstern, die keine Wünsche offenlassen.
Neben Energieeffizienz, Stabilität, Pflegeleichtigkeit, Witterungsbeständigkeit und Langlebigkeit überzeugen Fenster heute mit Zusatzfunktionen, wie integriertem Sonnenschutz, Schalldämmung und Einbruchshemmung.
Auch hinsichtlich Optik, Größen und Formen sind modernen Fenstern fast keine Grenzen gesetzt.

Erker mit Glasfenstern

Wenn man bedenkt, dass die Fenster in der Menschheitsgeschichte noch gar nicht so lange existieren, ist die Entwicklung wirklich sehr beeindruckend.